[home] Kreative Projektarbeit: Teamarbeit
LEADER-Handbuch > Kreative Projektarbeit > Teamarbeit

2.B. Teamarbeit


Als Team zusammenwachsen und mit Konflikten umgehen können

Teams Funktionieren gut, wenn bestimmte Ausgangssituationen geklärt und sie auf Konflikte vorbereitet sind.

Eins sollte vorweggenommen werden: Erfolgreiche Teamarbeit ist nicht so sehr das Wissen um 'Techniken' sondern vielmehr eine Einstellungssache!

Im Miteinander von Menschen, im Austausch von Informationen (Kommunikation) sind Konflikte an sich ganz natürlich. Man sollte sich dabei bewußt machen, daß Konflikte sowohl negative wie auch positive Anteile haben können. Durch Konflikte kann etwas kaputtgemacht werden, aber auch etwas Neues entstehen bzw. Klarheit geschaffen werden.


Wie kommt es zu Konflikten und Mißverständnissen?

Häufigste Ursache für Konflikte und Mißverständnisse ist die Tatsache, daß wir aneinander vorbeireden und wir anderen etwas unterstellen. Wir erleben oft, daß wir einem Gesprächspartner etwas sagen oder ihn etwas fragen, und der andere reagiert völlig unerwartet - was uns dann ärgert.

Beispiel:

Der Vereinssekretär hat die Aufgabe übernommen, sich um Sponsormöglichkeiten für die neue Broschüre des Vereins zu bemühen. Die Präsidentin fragt ihn: "Hast Du eigentlich schon die Bank x angesprochen?"

Was der Sekretär antwortet, können wir nicht voraussagen. Weil wir weder die beiden Personen und ihre Beziehung zueinander, noch die näheren Umstände kennen.

Es kann zu einer gereizten Reaktion kommen, wenn der Sekretär z.B. antwortet: "Was soll die Frage schon wieder? Ich kümmere mich schon wie abgesprochen bis Ende des Monats um die Sache", oder "Warum drängelst Du so, natürlich habe ich auch den Filialleiter der Bank x angeschrieben!"

Die Präsidentin ihrerseits könnte nun mit "Ich wollte Dich doch gar nicht drängen" anworten. Die Stimmung ist erst einmal hin.

Wir können aber dazu beitragen, eine Kommunikation zu verbessern, wenn wir versuchen zu erkennen, was in solchen und ähnlichen Situationen 'abläuft'.

Mißverständnisse entstehen u.a.:

  • bei fehlender Bereitschaft anderen aufmerksam zuzuhören und auf die Argumente richtig einzugehen
  • weil jeder dazu neigt, seine Umgebung durch seine 'eigene Brille' zu sehen. Die Folgen sind einseitige Urteile oder gar Vorurteile, die einen hindern, offen für Neues und Alternativen zu sein
  • wenn der Sender einer Information sich nicht klar bzw. sich 'verschlüsselt' ausdrückt, indirekte Forderungen sendet
  • durch Beziehungsstörungen; Antipathien werden sachlich verschleiert

Hier wird schon deutlich wie komplex Kommunikation abläuft. Bei einem Informationsaustausch gibt es immer einen Sender und einen Empfänger.

SENDER

Sachinhalt 

Nachricht

Beziehung 

 EMPFÄNGER

Denkt --> sagt --> hört --> versteht

Auf dieser Strecke sind viele Mißverständnisse möglich!

Probleme in der Verständigung sind so vielschichtig, weil neben dem Inhalt einer Nachricht auch noch andere Aspekte mitspielen, wie beispielsweise die Beziehung zwischen den Gesprächpartnern. Zum WAS kommt also noch das WIE und das ZU WEM. Was der Empfänger einer Information wirklich aufnimmt, ist von der Art der Aussage und im wesentlichen von den Eigenschaften des Senders wie des Empfängers (Selbstwertgefühl, Meinungen, Wünsche, etc.) und deren Beziehung zueinander abhängig.

Beispiel:

Ein Vereinsmitglied schweigt bei einer Sitzung. Er hat starke; Zahnschmerzen, teilt dies aber nicht mit. Der Sitzungsleiter 'hört' aus; seinem Schweigen heraus: der andere ist nicht interessiert.

Sie können sicher viele eigene Beispiele finden, wo langfristig auf Grund von Mißverständnissen Konflikte aufkommen.


Folgende Tips können helfen, die Verständigung in der Gruppe zu verbessern:

  • Senden Sie klare 'Ich-Botschaften', ich meine ..... (vermeiden Sie: die anderen...... wir...., man...); sagen Sie also Ihre Meinung
  • Hören Sie ruhig zu, wenn man Ihnen antwortet, versuchen Sie nicht gleich sich zu rechtfertigen
  • Seien Sie sich ihrer Mitverantwortung für die Geschicke des Vereins bewußt, auch als Nicht-Vorsitzender tragen Sie zur richtigen Stimmung für die Zusammenarbeit bei
  • Teilen Sie mit, wenn das Verhalten eines Gruppenmitglieds negativ auf Sie wirkt. Sagen Sie es dem Gruppenmitglied direkt und nicht über Dritte

Mit Kritik umgehen

Offenheit ist also in der Gruppenarbeit angesagt. Selbst wenn es schwerfällt - auch negative Kritik muß manchmal sein, um festgefahrene Situationen in der Gruppe zu lösen. Aber es hängt sehr davon ab, wie ich Kritik ausübe, damit sie richtig ankommt.

Wie sollte konstruktive Kritik aussehen?

  • Aktuell: Geben Sie Kritik so schnell wie möglich im Anschluß an eine bestimmte Handlung. Halten Sie Ihre Kritik nicht so lange zurück, bis Sie 'explodieren'.
  • Zur rechten Zeit anbringen: Dieser Ratschlag soll nicht im Widerspruch zur obigen Aussage stehen. Bedenken Sie ob der Gesprächspartner im Moment in der Lage ist, Kritik aufzunehmen.
  • Beschreibend: Steht hier im Gegensatz zu bewertend und interpretierend. Sparen Sie sich Hypothesen und moralische Bewertung, das drängt den anderen dazu, sich zu verteidigen.

Eine sachliche Kritik kann nach dem sogenannten 'Dreischritt' aufgebaut werden:

  1. Objektive Sachverhaltsmitteilung: Verständnis zeigen und/oder 'Gemeinsames' festhalten
  2. Gefühlsmitteilung: Was macht er/sie mit mir?
  3. Verhaltensänderungswunsch: Kompromiß anbieten und evtl. Konsequenzen aufzeigen

Beispiel:

Ein Vereinsmitglied hält große Vorträge, fehlt aber häufig bei den praktischen Arbeiten.

Schritt 1: Ich möchte mit Dir über die Organisation des nächsten Festes reden. Ich habe Verständnis dafür, daß Du nicht immer kommen kannst, weil Du zuhause sehr viel Arbeit hast.

Schritt 2: Ich bin aber immer wieder enttäuscht,wenn Du bei den Aufbauarbeiten nicht dabei bist und wir anderen alles allein machen müssen.

Schritt 3: Es wäre schön, wenn Du zumindest stundenweise helfen könntest. Wenn es einmal gar nicht geht, könntest Du ja Bescheid sagen oder ein Familienmitglied vorbeischicken.


Die Rolle des Leiters in Konfliktsituationen

Der Vereinsvorsitzende oder die Leiterin einer Gruppe hat einen großen Einfluß darauf, wie im Team mit Konflikten umgegangen wird. Und lenkt damit die 'Stimmung' in der Gruppe und letztlich die Motivation zur Mitarbeit.

Man kann grob 5 Konfliktstile unterscheiden (nach Schoeller, 1991):

Orientierung an den Zielen anderer  9

1/9 Nachgeben, sich unterwerfen, auf eigene Ziele verzichten, Meinungsverschiedenheiten nicht hochspielen, glätten, harmonisieren

 

9/9 Gemeinsames Problemlösen, kreative Zusammenarbeit, trotz Widerstände und Rückschläge eine beiderseitig optimale Lösung finden wollen

5  

5/5 Kompromiss, jeder rückt von seiner Maximalforderungen ab

 
1

1/1 Flucht, Rückzug, Vermeidung, gar nichts tun, Konflikte ja nicht aufrühren

 

9/1 Durchsetzen, Ich-oder -Du, Erzwingen, Drohung und Macht einsetzen, die Pokerstrategie verwirklichen

 

1

5

9

 

Orientierung an meinen Zielen

Kein Stil kann allein immer der optimale sein, jede Situation erfordert einen anderen Stil. Man sollte also flexibel variieren können. Trotzdem entwickelt jeder für sich eine gewisse Abfolge der Stile.

Seien Sie einmal kritisch mit sich und testen Sie Ihren Konfliktstil an folgendem Beispiel:

Beispiel Vereinsversammlung:

Die Versammlung zieht sich immer mehr in die Länge, weil ein Mitglied bei seiner Meinung beharrt. Was tun Sie?

 

Sie bitten ihn, seine Argumentation vorzubringen. Wenn er die Gruppe nicht überzeugen kann, soll er sich der Mehrheitsmeinung anschließen (diese Lösung geht in Richtung 5/5)

Kompromiss

Sie versuchen herauszufinden, weshalb der Gesprächspartner das Problem anders als die Gruppe sieht. Sie können dann nochmals die Argumente der Gruppe aus seiner Sicht prüfen und ihn besser verstehen (diese Lösung geht in Richtung 9/9)

Gemeinsame Problemlösung

Solche Meinungsverschiedenheiten lahmen die Gruppe. Sie beschwichtigen den anderen freundlich und drängen die übrigen Teilnehmer, zu angenehmeren Tagesordnungspunkten überzugehen (diese Lösung geht in Richtung 1/9)

Harmonisieren, Nachgeben

Der andere behindert unsere Arbeit. Sie sagen das offen und verlangen, daß wir notfalls ohne ihn weitermachen (diese Lösung geht in Richtung 9/1)

Durchsetzen

Sie halten sich heraus, wenn andere streiten, soll doch jeder selbst sehen, wie er seine Meinung durchsetzen kann (diese Lösung geht in Richtung 1/1)

Konflikte verdrängen, vermeiden

Über einen Konflikt hinwegzugehen ist sicher die schlechteste Lösung. Für alle Beteiligten ist es langfristig frustrierend, durch oberflächliche Einigungen nur zu einer 'Scheinharmonie' zu kommen. Der Konflikt bleibt unterschwellig bestehen und hemmt die Zusammenarbeit. Haben Sie Mut zur Offenheit!

Diese Tips sollen einer Gruppe helfen, mit Konflikten besser umzugehen. Sicher wird es kaum auf Anhieb gelingen, diese Regeln voll einzuhalten. Denken Sie daran, nicht allein Techniken helfen, sondern die Einstellung macht 's! Nehmen Sie sich doch mal Zeit für die Tests und Tips im Anhang (Checklistefür den Umgang mit Konflikten, Selbsttestfür Gruppenarbeit).


Das LEADER-Handbuch ist ein unter LEADER II entstandenes Projekt
© Stad a Land a.s.b.l., LEADER-Gruppen Clervaux-Vianden & Redange-Wiltz
Bearbeitung & Layout: Bureau LEADER Munshausen